02.05.2017 / Abstimmungen / /

Glaubhafte Argumente der KESB–Initianten? Leserbrief von Kantonsrat Markus Hauenstein

Als langjähriger Vormundschaftspräsident weiss ich, wie schwierig und heikel es ist, selbst unter sorgfältiger Berücksichtigung von Grundlagen und den Ergebnissen von Gesprächen mit Betroffenen, „vormundschaftliche“ Entscheide fällen zu müssen – und dies teilweise gegen den Willen des/der Betroffenen oder Dritter.

Die Initiative verspricht mehr Bürgernähe. Mit ihrer Annahme wird aber keine Behörde abgeschafft. Wie und in welcher Zusammensetzung Entscheide gefällt werden müssen, gibt uns nämlich das Bundesrecht vor. Seit Einführung des Kindes- und Erwachsenenschutzrechtes sind „vormundschaftliche“ Entscheide durch ein Gremium aus Fachpersonen zu fällen. Man stelle sich nun vor, dass jede Schwyzer Gemeinde ein solches Fachgremium berufen müsste. Oder die Gemeinden müssten sich zusammenschliessen –  womit die Ausgangslage wiederum gleich wäre wie bei der heutigen Situation. Deshalb ist auch klar, wieso sich die grosse Mehrheit der Schwyzer Gemeinden gegen diese Initiative stemmt und vor einer mit hohen Kosten verbundenen Umstrukturierung und der Rückgabe der Aufgaben an die Gemeinden warnt.

Ich hoffe sehr, dass das Schwyzer Volk sich nicht durch falsche Versprechungen leiten lässt und die KESB-Initiative klar ablehnt. Ein NEIN zur Initiative ist ein JA zu einer mittlerweile erprobten, schlanken Regelung. Ich stimme wie ein Grossteil der Fürsorgebehörden der Schwyzer Gemeinden und Bezirke mit Überzeugung NEIN.

PS: Ich würde mich sehr freuen, wenn die SVP sich bei anderer Gelegenheit und wirklichen Familienthemen wieder an ihren KESB-Initiativ Slogan „Familien stärken!“ erinnern würde.

 

CVP Kantonsrat Markus Hauenstein, Wollerau